Statine haben viel weniger Nebenwirkungen als angenommen
Statine haben deutlich weniger echte Nebenwirkungen als viele Menschen befürchten. Die meisten Beschwerden treten unter Placebos genauso häufig auf wie unter der Einnahme von Statinen.
Das ist das Ergebnis einer groß angelegten Meta-Analyse. Dabei wurden 19 wichtige Studien zu den Nebenwirkungen von Statinen mit 123.940 Patienten ausgewertet. Alle Studien waren doppelblind, randomisiert und placebokontrolliert.
Erklärung
Randomisiert: Dabei werden die Teilnehmenden zufälligen Gruppen zugeteilt
Placebokontrolliert: Eine Gruppe bekommt echte Medikamnte, die andere ein Placebo, also eine Tablette ohne jeden Wirkstoff
Doppelblind: Weder die Teilnehmer noch die Forschenden wissen, wer das echte Medikament bekommt und wer das Placebo. So kann niemand die Ergebnisse beeinflussen
Berichte über Nebenwirkungen von Statinen verunsichern viele Betroffene. Auch ein Blick in die Beipackzettel kann beunruhigen. Sie listen 66 verschiedene mögliche Nebenwirkungen auf, davon 16 als „häufig auftretend“ und 50 als gelegentlich oder selten auftretend.
Welche Nebenwirkungen kann es tatsächlich geben?
Die Studie zeigt nun, dass es nur wenige Nebenwirkungen gibt, die unter Statinen häufiger auftreten als unter Placebos. Dazu gehören die in früheren Studien belegten
- selten auftretende Muskelschmerzen und -komplikationen
- leicht erhöhtes Diabetes-Risiko bei Patienten, die schon einen erhöhten Blutzuckerwert haben
und außerdem
- leicht erhöhte Leberenzyme
- weitere leichte Leberfunktionsveränderungen
- geringfügige Veränderung der Harnzusammensetzung
- Ödeme
Alle anderen in den Beipackzetteln aufgeführten Nebenwirkungen traten unter Placebo genauso häufig auf wie unter Statinen. Sie stehen also in keinem belegten Zusammenhang mit der Einnahme von Statinen.
Warum Beipackzettel so viele Nebenwirkungen aufzählen
So wie Nebenwirkungen in Beipackzetteln stehen, wirkt das Risiko wesentlich größer als es wirklich ist. Das kann Patienten, aber auch Ärzte verunsichern. In Beipackzetteln werden Risiken auch dann aufgeführt, wenn es nur einen Verdacht oder einzelne Meldungen gibt, bei denen der tatsächliche Zusammenhang nicht gesichert ist. Die Hersteller wollen sich mit diesen Angaben rechtlich absichern.
Quellen:
Deutsche Gesellschaft für Kardiologie
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