Alles, was Sie über Medikamente bei Herzerkrankungen wissen sollten

Medikamente sind ein zentraler Bestandteil der Behandlung von Herzerkrankungen. Sie schützen das Herz, verbessern Beschwerden und senken Risiken. Diese Seite gibt einen kompakten Überblick darüber, warum sie so wichtig sind und wovon ihre Wirkung sowie mögliche Neben- und Wechselwirkungen abhängen.

Medikamente sind Freunde

Medikamente sind Freunde. Sie retten Leben.

Wenn Sie an einer Herzkrankheit leiden, müssen Sie unweigerlich Medikamente nehmen. Und die traurige Wahrheit ist: sehr wahrscheinlich werden Sie eine Reihe von Medikamenten nehmen müssen und ebenso wahrscheinlich ist, dass Sie sie für den Rest Ihres Lebens einnehmen werden. Deshalb ist es gut, sich mit Ihren Medikamenten anzufreunden – schließlich sind sie Ihre Helfer und Lebensretter, nicht Ihre Gegner.

Was Sie beim Einnehmen beachten sollten

Häufige Fehler vermeiden

Im Beipackzettel erfahren Sie, wie häufig und zu welchen Zeiten ein Medikament eingenommen werden soll. Es bedeuten:

  • Auf nüchternen Magen: 1 – 2 Stunden vor der Mahlzeit
  • Vor dem Essen: 30 – 60 Minuten vor einer Mahlzeit.
  • Mit dem Essen: Während einer Mahlzeit oder unmittelbar danach.
  • Nach dem Essen: Wie viel Abstand zum Essen sinnvoll ist, ist je nach Medikament unterschiedlich. Lesen Sie die Packungsbeilage
  • Unabhängig der Mahlzeiten: Zum verordneten Zeitpunkt.
  • 2 bzw. 3 x täglich: Es ist ein Zeitabstand von 12 bzw. 8 Stunden einzuhalten.

Manche Medikamente werden am besten zu einer bestimmten Zeit eingenommen: beispielsweise Cholesterinsenkende Mittel abends, Blutrucksenkende Mittel in de Regel am besten morgens.

Tabletten nimmt man am besten mit einem ganzen Glas Leitungswasser oder Wasser ohne Kohlensäure ein. Diese Menge beschleunigt die Aufnahme der Wirkstoffe und verhindert, dass Teile in der Speiseröhre bleiben.

Andere Flüssigkeiten sind nicht geeignet, weil sie Wechselwirkungen verursachen können.

Normalerweise darf man Tabletten, Pillen oder Kapseln nicht teilen. Sie können dadurch an Wirksamkeit verlieren oder im Gegenteil sogar eine gefährliche Wirksamkeitsspitze auslösen.

Tabletten ohne Kerbe dürfen niemals geteilt werden. Aber auch Tabletten mit Kerbe dürfen oft nicht geteilt werden. Informieren Sie sich in einem solchen Fall bei Ihrem Apotheker. Beispielsweise enthält Candesartan eine Kerbe, obwohl die Tablette nicht geteilt werden darf.

Retardtabletten (also Tabletten, die ihre Wirksamkeit kontinuierlich über einen bestimmten Zeitraum entfalten) dürfen nicht geteilt werden.

Jedem kann das passieren, dass man einmal eine Tablette vergisst. Das ist in der Regel kein Drama, aber auch nicht ungefährlich.

Holen Sie die vergessene Dosis nicht einfach nach, sondern lesen Sie in der Packungsbeilage, was zu tun ist. Während bei manchen Medikamenten die Einnahme innerhalb einer bestimmten Zeit möglich ist, kann das bei anderen schädlich sein.

Auf keinen Fall einfach am nächsten Tag verdoppeln.

Besonders zu beachten ist das bei

  • Blutverdünnern
    • Bei neueren oralen Antikoagulantien (NOAKs) müssen Sie die vergessene Dosis nachholen, sobald Sie sollten Sie das feststellen. Die empfohlene Tagesdosis dürfen Sie dabei aber nicht überschreiten. Bei Marcumar ist die Zeitspanne flexibler.
    • Bei Aspirin, Clopidogrel oder Prasugrel (blutblättchenhemmend) sollten Sie Ihre Dosis innerhalb von 12 Stunden nachnehmen
  • Medikamenten gegen Herzrhythmusstörungen
  • Insulin und Diabetesmedikamenten
  • bestimmten Blutdruckmedikamenten

Unser Rat: Sichern Sie sich so gut wie möglich gegen das Vergessen ab. Legen Sie Ihre Medikamente an einem festen Ort ab, den Sie im Auge haben oder verknüpfen Sie die Einnahme mit einer Tagesroutine. Auch die Erinnerungsfunktion Ihres Handys ist hilfreich.

  • Bewahren Sie Ihre Medikamente in der Originalverpackung zusammen mit dem Beipackzettel auf.
  • Ihre Wochendosis oder tägliche Dosis können Sie entsprechend in Tablettenboxen einsortieren. Die Wochendosis sollte jedoch nicht überschritten werden, weil  ausgepackte Tabletten an Wirksamkeit verlieren.
  • Die Medikamente sollten trocken und dunkel aufbewahrt werden. Badezimmer und Küche sind keine geeigneten Orte.
  • Lagern Sie bei der richtigen Temperatur normalerweise bei 15° – 25° C oder bei manchen Medikamenten gekühlt. Nicht im Auto aufbewahren.
  • Überprüfen Sie das Haltbarkeitsdatum der Medikamente.

Sie sollten immer eine aktuelle Medikamentenliste bei sich führen und zumindest bei jedem Arztbesuch und bei jeder Reise dabei haben.

Sorgen Sie dafür, dass diese Liste immer aktuell und vollständig ist. Sie soll alle Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel enthalten, die Sie regelmäßig und bei Bedarf einnehmen.

Mehr zur Medikationsliste

Als gesetzlich Versicherter haben Sie einen Anspruch auf eine Medikationsliste, wenn Sie mehr als drei Medikamente täglich einnehmen. Wenn Sie mehr als fünf Medikamente einnehmen, haben sie einmal jährlich Anspruch auf eine ausführliche Beratung in Ihrer Apotheke.

Man kann die Medikamentenliste auch auf dem Smartphone abspeichern. Unter iOS geht das in der Health-App, unter Android unter „Sicherheit und Notfall“. Das Smartphone kann so eingestellt werden, dass die Informationen auch in gesperrtem Zustand angezeigt werden können.

  • Medikamentenvorrat
    Stellen Sie rechtzeitig sicher, dass Sie die genügend Medikamentenvorrat für Ihre Reise haben. Planen Sie dabei einen Puffer von 50% ein.
  • Medikationsplan
    Nehmen Sie Ihren Medikationsplan mit und achten Sie darauf, dass dort der Name des Wirkstoffs eingetragen ist (oder nehmen Sie die Beipackzettel mit). Im Ausland haben Medikamente oft andere Namen oder sind nicht erhältlich.
  • Handgepäck
    Bei Flügen gehören Medikamente ins Handgepäck – zumindest in der bei Verlust eines Koffers notwendigen Menge.
  • Originalverpackung
    Es empfiehlt sich, die Medikamente in der Originalverpackung mitzunehmen, damit sie bei Kontrollen zugeordnet werden können.
  • Zeitverschiebung
    Beachten Sie bei der Medikamenteneinnahme eine evtl. Zeitverschiebung
  • Temperatur
    Die meisten Medikamente können bei Temperaturen zwischen 15° und 25° C aufbewahrt werden, wobei eine kürzere Abweichung der Temperatur die Wirkung nicht beeinträchtigt. Bei längerer Hitze kann die Wirkung jedoch abnehmen

Unser Rat: Planen Sie rechtzeitig vor der Reise und denken Sie auch daran, dass es Lieferschwierigkeiten für Medikamente geben könnte.

Viele Herzmedikamente wirken nicht nur bei aktuellen Beschwerden. Vor allem senken sie das Risiko für schwere Ereignisse wie Herzinfarkt, Schlaganfall oder eine Verschlechterung der Herzschwäche.

Besonders gefährlich ist es,

  • Blutverdünner abzusetzen, die Sie nach einem Stent oder gegen Vorhofflimmern erhalten haben.
  • Betablocker plötzlich abzusetzen
  • Herzschwächemedikamente ohne Rücksprache zu reduzieren
  • Statine wegen vermeintlicher Nebenwirkungen dauerhaft wegzulassen

Unser Rat: Wenn Sie Beschwerden oder Bedenken haben, setzen Sie das Medikament nicht selbst ab. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Apotheker darüber. Oft gibt es Alternativen.

Wechselwirkungen beachten

Bei der Einnahme von Medikamenten können Wechselwirkungen mit anderen Arzneimittel, aber auch mit Lebensmitteln und Nahrungsergänzungsmitteln auftreten.

Wechselwirkungen mit Nahrungsmittel

Milch, Säfte und Kaffee oder Tee können die Wirksamkeit von Arzneimitteln verändern. Auch Alkohol verändert die Wirkung, gleichzeitig wird die Wirkung des Alkohols durch viele Medikamente verstärkt

  • Bei den Säften ist vor allem Grapefruitsaft zu vermeiden, da er den Abbau bestimmter Medikamente hemmen und dadurch deren Wirkung oder Nebenwirkungen verstärken kann. Ähnliches gilt für Orangensaft, Apfelsaft u.ä.
  • Fetthaltiges Essen kann die Wirkung von Medikamenten verstärken, weil die Leber durch die Verdauungsarbeit manche Bestandteile der Arzneimittel nicht filtern kann.
  • Ballaststoffe schwächen die Medikamentenaufnahme, weil sie auch Medikamente im Darm binden können.

Ausführlichere Informationen erhalten Sie auf der Seite der Apotheken-Umschau.

Wechselwirkungen mit Nahrungsergänzungsmitteln

Nahrungsergänzungsmittel können die Wirkung von Arzneimitteln beeinflussen. Und sie können die Laborwerte verändern. Sprechen Sie deshalb unbedingt mit Ihrem Arzt über alle Nahrungsergänzungsmittel, die Sie einnehmen.

Im Gegensatz zu Medikamenten muss bei Nahrungsergänzungsmitteln nicht auf mögliche Nebenwirkungen hingewiesen werden. Auch „natürliche“ Nahrungsergänzung kann gefährlich sein.

Bedeutsam bei Herzkrankheiten sind vor allem

  • Omega-3-Fettsäuren, Ginkgo, Knoblauch, hoch dosiertes Vitamin E und andere Präparate können das Blutungsrisiko beeinflussen
  • Kaliumpräparate können gefährliche Herzrhythmusstörungen auslösen
  • Vitamin K – Präparate können die Wirkung von Blutverdünnungsmitteln aufheben
  • Johanniskraut beschleunigt den Abbau von Medikamenten

Wechselwirkungen zwischen Medikamenten

  • In der Regel achtet der Hausarzt auf mögliche Wechselwirkungen. Aber manchmal bekommt man von unterschiedlichen Ärzten Medikamente verschrieben und der Hausarzt weiß nichts davon. Deshalb sollte man seine Ärztin oder seinen Arzt immer über alle Medikamente informieren.
  • Es ist wichtig, einen Medikationsplan zu führen und bei jedem Arztbesuch mitzuführen. Bei neuen Medikamenten sollten Sie den Plan auch in Ihrer Apotheke überprüfen lassen.
  • Gerade ältere Patienten nehmen häufig zusätzlich auch nicht verschreibungspflichtige Medikamente. Auch darüber sollte der Arzt informiert werden.

Hier können Sie sich einen Medikationsplan herunterladen:

Auf der folgenden Seite können Sie überprüfen, ob es bei den von Ihnen genommenen Medikamenten zu Wechselwirkungen kommen kann.

Nebenwirkungen von Medikamenten

Medikamente haben immer Wirkungen und Nebenwirkungen. Ein Medikament, das keine Nebenwirkungen hat, ist höchstwahrscheinlich auch wirkungslos.

wenn Sie eher ein ängstlicher Typ sind, sollten Sie den Abschnitt „Nebenwirkungen“ im Beipackzettel nicht lesen.

Warum Sie diesen Abschnitt des Beipackzettels überlesen dürfen:

Ob Nebenwirkungen eintreten, hängt von verschiedenen Faktoren ab: auf der einen Seite von der Art des Medikamentes, auf der anderen Seite von Ihren persönlichen Gegebenheiten.

Nebenwirkungen hängen von der Art des Medikaments ab

Bei manchen Medikamenten steigen die unerwünschten Wirkungen, wie sie oft auch genannt werden, mit der verabreichten Dosis. Manche Medikamente haben einen großen therapeutischen Bereich. Dann gibt es einen ausreichenden Sicherheitsabstand zwischen einer wirksamen und einer schädlichen Dosis.

Andere Medikamente haben nur einen schmalen therapeutischen Bereich. Dann können schon geringe Änderungen die Wirkung beeinträchtigen und zu Nebenwirkungen führen.

Bei schwerwiegenden Erkrankungen muss der Arzt häufig abwägen, inwieweit unerwünschte Wirkungen in Kauf genommen werden müssen, um die gewünschte Wirkung zu erzielen.

Nebenwirkungen hängen von Ihrer Person ab

Auch Sie selbst, Ihr Körper und Ihre Seele können Einfluss darauf haben, ob sich Nebenwirkungen entwickeln.

Bei den dosisabhängigen Nebenwirkungen sind Körperbau, Größe und Gewicht und auch das Geschlecht wichtige Faktoren. Der Arzt muss hier die Dosierung entsprechend einschätzen.

Daneben gibt auch genetische Veranlagungen, die die Verarbeitung von Medikamenten beeinflussen.

Und schließlich ein heikles Thema: wie wir einem Medikament gegenüber eingestellt sind, beeinflusst sowohl seine Wirkungen als auch seine Nebenwirkungen.

Die auf dieser Website bereitgestellten Informationen dienen ausschließlich der allgemeinen Information. Sie sollen Ihnen helfen, Ihre Erkrankung besser zu verstehen, ersetzen jedoch keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bitte wenden Sie sich bei gesundheitlichen Beschwerden oder Fragen stets an Ihren behandelnden Arzt und treffen Sie keine eigenständigen medizinischen Entscheidungen auf Grundlage dieser Inhalte.

Damit die Texte leichter zu lesen sind, nutzen wir oft die männliche Form. Natürlich sind immer alle Geschlechter gemeint.

Eine Seite zu speziellen Medikamenten bei Herzkrankheiten folgt.

Beiträge zu Medikamenten

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